Olaf Scholz im Spreewald: Dialog mit Erbe der Lausitz
Olaf Scholz im Spreewald: „Erbe der Lausitz“ im Dialog über Tourismus und Strukturwandel
Tourismus stärken, Kulturerbe vermitteln und den Strukturwandel gemeinsam gestalten: Bei einer Kahnfahrt mit dem ehemaligen Bundeskanzler Olaf Scholz brachte „Erbe der Lausitz“ Erfahrungen aus der länderübergreifenden Zusammenarbeit ein. Im Mittelpunkt standen aktuelle Herausforderungen im Spreewald und konkrete Beispiele für eine zukunftsfähige Regionalentwicklung.
Auf Einladung der Landtagsabgeordneten Nadine Graßmel kamen Akteure aus Tourismus, Naturschutz und Kulturvermittlung im UNESCO-Biosphärenreservat Spreewald zusammen. Für „Erbe der Lausitz“ nahm Projektleiterin Susann Troppa teil. Von Betriebsnachfolgen und Fachkräftesicherung über Wassermangel bis zum sorbischen Kulturerbe: Die Beiträge bauten aufeinander auf und verdeutlichten, wie eng wirtschaftliche Entwicklung, Natur und Kultur in der Region verbunden sind.
Tourismus im Spreewald: Fachkräfte sichern und Kostendruck begegnen
Positive Beispiele kamen aus Burg (Spreewald): Menschen kehren mit internationaler Berufserfahrung in ihre Heimat zurück, übernehmen Familienbetriebe und entwickeln diese mit neuen Ideen weiter. Regionale Verbundenheit, Fachwissen und unternehmerische Initiative wirken dabei zusammen.
Gleichzeitig berichtete die Runde über Fachkräftemangel und wachsenden Kostendruck auf Betriebe und Gäste. Unternehmen müssen steigende Ausgaben auffangen. Gäste achten stärker auf ihr Urlaubsbudget und verkürzen ihre Aufenthalte.
Damit bleiben die Sicherung der Aufenthaltsqualität, Angebote für unterschiedliche Geldbeutel und die Stärkung der Nebensaison zentrale Aufgaben. Die Vernetzung regionaler Angebote kann zusätzliche Besuchsanlässe schaffen und die Vielfalt des Spreewalds für Gäste besser erschließen.
Klimawandel und Wassermangel betreffen die Region schon heute
Klimawandelfolgen und Wassermangel sind im Spreewald keine Zukunftsherausforderungen. Sie betreffen bereits heute Natur, Lebensqualität und wirtschaftliche Existenzen und stellen die Region immer wieder vor neue Aufgaben. Im Gespräch ging es deshalb sowohl um Klimaschutz und Klimaanpassung als auch um die Vermittlung der Zusammenhänge. Umweltbildung und Bildung für nachhaltige Entwicklung können Menschen dabei unterstützen, Veränderungen zu verstehen und Handlungsmöglichkeiten zu erkennen.
Ein Beispiel stellte Alexander Hoschke von der Naturwacht vor: Im Rahmen der vom UNESCO-Biosphärenreservat organisierten „Woche der Klimaanpassung im Spreewald“ beteiligten sich Kinder der örtlichen Grundschule am Bau eines Heuschobers. Dabei erfuhren sie, warum die traditionelle Bauweise gerade im Spreewald sinnvoll ist. Eigenes Anpacken verband sich mit regionalem Wissen und dem Lernen von früheren Generationen.
„Erbe der Lausitz“: Drei Gelingfaktoren für die Zusammenarbeit
Susann Troppa erläuterte, was die länderübergreifende Arbeit von „Erbe der Lausitz“ erfolgreich macht. Das Projekt UNESCO 5 bündelt die Zusammenarbeit von vier Lausitzer UNESCO-Stätten und dem immateriellen Kulturerbe der Sorben. Als STARK-Projekt trägt es zur Gestaltung des Lausitzer Strukturwandels bei.
Drei Ansätze greifen dabei ineinander:
- Partner vernetzen: Erfahrungen und Kompetenzen aus Natur, Kultur, Bildung und Tourismus werden über Ländergrenzen hinweg zusammengebracht.
- Gemeinsame Narrative finden und schärfen: Verbindende Erzählungen machen die Zusammenhänge zwischen den UNESCO-Stätten, dem sorbischen Erbe und der Entwicklung der Lausitz verständlich.
- Im Verbund kommunizieren: Unter der Dachmarke „Erbe der Lausitz“ werden die Partner und ihre Angebote gemeinsam sichtbar.
Auf dieser Grundlage entstehen Bildungsangebote, Kooperationen und neue Vermittlungsformate. Sie unterstützen die regionale Wertschöpfung und stärken die Identifikation mit der Lausitz. Dabei sensibilisiert das Projekt für Herausforderungen und fördert den Gestaltungswillen insbesondere der hier lebenden Menschen. Natur- und Kulturerbe bieten Wissen, Erfahrungen und Anknüpfungspunkte, um den Strukturwandel aktiv mitzugestalten. Auch an Bord wurde dieser Ansatz erlebbar: Die Beiträge ergänzten sich und verbanden unterschiedliche fachliche Perspektiven zu einer gemeinsamen Erzählung der Region.
Sorbisches Kulturerbe vermitteln und weitertragen
Die sorbische Sprache, Kultur und Geschichte waren ein verbindendes Thema der Gesprächsrunde. Ihre Vermittlung trägt dazu bei, die Lausitz und ihre Entwicklung besser zu verstehen und das Bewusstsein für ihr kulturelles Erbe zu stärken.
Besprochen wurden auch die Aufgaben des Spreewaldvereins als regionaler Impulsgeber und sein Engagement für das immaterielle Kulturerbe „Bau und Nutzung des Spreewaldkahns“. Dabei ging es um die Verbindung von überlieferten Kenntnissen mit zeitgemäßen Nutzungs- und Vermittlungsformen.
Für „Erbe der Lausitz“ ist dies ein wichtiger Bestandteil der Projektarbeit: Bildungsangebote, kreative Beteiligung und regionale Kooperationen machen Kulturerbe zugänglich und unterstützen seine Weitergabe.
Vom Projektimpuls zur Serienproduktion: ein Modell des Spreewaldkahns
Ein konkretes Beispiel für diese Verbindung erhielt Olaf Scholz als Erinnerung an den Austausch: Neben einem Ei mit sorbischen Mustern und dem „Erbe der Lausitz“-L überreichte Susann Troppa ein Modell des Spreewaldkahns zum selbst Fertigstellen. Auf Impuls von „Erbe der Lausitz“ wurde das Modell von einem regionalen Start-up für das Projekt angefertigt und geht nun in Serienproduktion. Damit führt die Zusammenarbeit über den ursprünglichen Projektbedarf hinaus zu einem neuen regionalen Produkt. Das Modell bietet zugleich einen Zugang zur Wissensvermittlung: In Workshops können Gäste selbst kreativ werden und dabei die Geschichte und Bedeutung des Spreewaldkahns kennenlernen. Kulturerbe, Bildung und regionale Wertschöpfung werden so miteinander verbunden.
Kahnfahrt als Format für anschauliche Wissensvermittlung
Die Gesprächsrunde zeigte, wie niedrigschwellige Wissensvermittlung mit einem gemeinsamen Erlebnis verbunden werden kann. Innerhalb einer Stunde wurden komplexe Themen anhand regionaler Beispiele verständlich erläutert. Die unterschiedlichen Erfahrungen der Beteiligten ermöglichten es, Zusammenhänge unmittelbar aufzugreifen und zu ergänzen.
Mit an Bord waren Sarah Plotzky vom Spreewaldverein, Alexander Hoschke von der Naturwacht, Kahnfährfrau Yvonne Huber, die sorbische Gästeführerin „Spreewald Christl“, Kahnfährmann Uli und Sabine Ducos von der Touristinformation Burg (Spreewald). Die Runde bildete eine kleine Auswahl der engagierten Menschen im Spreewald ab. Ihre Beiträge standen stellvertretend für die vielfältigen Kompetenzen und Initiativen, auf denen die regionale Entwicklung aufbauen kann.
Regionale Erfahrungen für politische Entscheidungen sichtbar machen
Der Austausch bot Gelegenheit, politische Entscheidungsträger auf Landes- und Bundesebene für konkrete Handlungsbedarfe zu sensibilisieren: Wo muss genauer hingeschaut werden? Welche Unterstützung und Instrumente braucht die Region? Welche Gelingfaktoren lassen sich stärken?
„Erbe der Lausitz“ dankt Nadine Graßmel für die Einladung und die Möglichkeit, die länderübergreifende Perspektive des Projekts einzubringen.
Aus Projektsicht vermittelte die Kahnfahrt eine klare Haltung: problembewusst und lösungsorientiert zusammenarbeiten. Wenn Wissen, regionale Erfahrungen und Engagement ineinandergreifen, entstehen konkrete Handlungsmöglichkeiten für den Spreewald und die Lausitz.
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